Verkehrsmesstechnik

Mindestabstand Blitzer zu Schild: Alle 16 Bundesländer im Überblick

von M.Sc. Caner Aygün, Sachverständiger für Verkehrsmesstechnik

9. Dezember 2024 · Aktualisiert: August 2026

Mindestabstand zwischen Blitzer und Verkehrsschild bei der Geschwindigkeitsmessung

Der Mindestabstand zwischen Blitzer und Verkehrsschild ist in Deutschland nicht bundesweit gesetzlich festgelegt, sondern wird durch verwaltungsinterne Richtlinien der 16 Bundesländer bestimmt. Die festen Vorgaben reichen von 75 Metern (Berlin, vor Verkehrszeichen) bis 200 Metern (Bayern, Thüringen). Hessen verwendet seit dem Erlass vom 27.07.2025 einen dynamischen Abstand: Er entspricht dem Wert der angeordneten Höchstgeschwindigkeit in Metern, auf Autobahnen gelten 130 Meter. In Baden-Württemberg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und im Saarland bestehen keine starren Mindestabstands-Vorgaben. Die Abstandsregelungen sollen abrupte Bremsmanöver verhindern und dienen dem Grundsatz der Gleichbehandlung nach Artikel 3 GG. Bei Unterschreitung kann die Verwertbarkeit der Geschwindigkeitsmessung im Bußgeldverfahren geprüft werden, etwa durch ein Sachverständigengutachten.

*Stand: 13. August 2026, geprüft durch M.Sc. Caner Aygün, Sachverständiger für Verkehrsmesstechnik.*

Transparenzhinweis zur Aktualität dieser Übersicht: Die Mindestabstände beruhen auf verwaltungsinternen Erlassen, Geschäftsanweisungen und Dienstanweisungen der Innenministerien und Polizeibehörden. Diese Regelwerke sind nicht an einer zentralen Stelle und teilweise gar nicht öffentlich einsehbar. Einzelne Länder veröffentlichen ihre Vorschriften weder im Ministerialblatt noch online; Inhalte werden dann nur über behördliche Auskünfte, Anfragen nach den Informationsfreiheitsgesetzen oder die Akteneinsicht im konkreten Verfahren bekannt. Änderungen und Aufhebungen erfolgen zum Teil ohne öffentliche Bekanntmachung. Trotz sorgfältiger Recherche in Primärquellen und Fachliteratur können einzelne Angaben in dieser Übersicht deshalb bereits überholt sein. Maßgeblich ist stets die zum Tatzeitpunkt geltende Fassung der jeweiligen Verwaltungsvorschrift, die im Rahmen eines Gutachtens für den Einzelfall konkret geprüft wird.

Der Mindestabstand zwischen Blitzer und Verkehrsschild ist in Deutschland nicht durch ein Bundesgesetz, sondern durch verwaltungsinterne Richtlinien der einzelnen Bundesländer geregelt. Diese Verwaltungsvorschriften binden primär die Bußgeldbehörden und Messbeamten, können aber im Bußgeldverfahren die Rechtsposition des Betroffenen mittelbar beeinflussen.

Die gesetzlichen Grundlagen der Geschwindigkeitsüberwachung stützen sich auf die allgemeinen Bestimmungen der Straßenverkehrsordnung (StVO) sowie auf den Grundsatz der Gleichbehandlung nach Artikel 3 Grundgesetz (GG). Ziel der Abstandsregelungen ist es, sogenannte „Abbremsreflexe“ zu vermeiden, bei denen Autofahrer plötzlich und gefährlich abbremsen, sobald sie ein Verkehrsschild erkennen. Ausnahmen sind insbesondere an Gefahrenstellen wie Schulen, Kindergärten oder Fußgängerzonen möglich.

Da es sich um interne Vorschriften ohne unmittelbare Außenwirkung handelt, werden sie in vielen Ländern nicht oder nur auszugsweise veröffentlicht. Genau daraus ergibt sich die praktische Schwierigkeit: Der jeweils aktuelle Regelungsstand lässt sich nicht an einer Stelle nachschlagen, sondern muss je Bundesland aus Ministerialblättern, Landesrecht-Portalen, behördlichen Auskünften und der Fachliteratur zusammengetragen werden.

Wie viele Meter Abstand gelten in welchem Bundesland?

Die festen Mindestabstände reichen je nach Bundesland von 75 Metern in Berlin bis 200 Metern in Bayern und Thüringen; Hessen knüpft den Abstand seit 2025 dynamisch an die angeordnete Höchstgeschwindigkeit. In Baden-Württemberg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und im Saarland existieren keine konkreten Meter-Vorgaben. Die nachstehende Tabelle fasst die verwaltungsinternen Regelungen aller 16 Bundesländer zusammen.

BundeslandMindestabstandGeltende Vorschrift
Baden-WürttembergKeine konkrete Meter-Vorgabe (starrer Mindestabstand zum 01.07.2015 aufgehoben)VwV des Innenministeriums für die Verkehrssicherheitsarbeit der Polizei vom 17.05.2024, Az. IM3-1132-26/2
Bayern200 m (Soll-Vorschrift); bei Geschwindigkeitstrichter 100 mVÜ-Richtlinie (VÜR), Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums des Innern vom 12.05.2006 (AllMBl. S. 155), Az. I C 4-3618.2-31, in Verbindung mit Nr. 1 Ziff. 3 der Ergänzenden Weisungen zur VÜR
Berlin75 m vor und nach Verkehrszeichen; 150 m vor und nach OrtstafelnGeschäftsanweisung PPr Stab Nr. 6/2010 über die Durchführung mobiler Geschwindigkeitskontrollen; Fortgeltung zuletzt bestätigt in der Senatsantwort auf die Schriftliche Anfrage Drs. 19/26651 (Juli 2026)
Brandenburg150 mErlass des MIK „Überwachung der Einhaltung zulässiger Höchstgeschwindigkeiten und der Befolgung von Lichtzeichenanlagen“ vom 15.09.1996 (ABl./96, Nr. 43, S. 962), zuletzt geändert 16.03.2018
Bremen150 m; nicht unmittelbar vor/hinter der BeschränkungDienstanweisung Verkehrsüberwachung und Geschwindigkeits-, Abstands- und Rotlichtmessverfahren, Version V2, Stand 18.01.2021
HamburgKeine veröffentlichte Meter-VorgabePolizeiinterne Regelung; keine veröffentlichte Verwaltungsvorschrift
HessenDynamisch: Abstand entspricht dem Wert der angeordneten Höchstgeschwindigkeit in Metern (z. B. Tempo 50 = 50 m, Tempo 100 = 100 m); auf Autobahnen 130 m, außer nach vorgelagerter Beschränkung; in verkehrsberuhigten Bereichen (Zeichen 325.1/325.2) kein Abstand erforderlichErlass „Verkehrsüberwachung durch örtliche Ordnungsbehörden und Polizeibehörden“ vom 27.07.2025 (bekannt gegeben am 02.09.2025); der frühere Erlass vom 23.02.2015 (StAnz. Nr. 9 S. 182) ist außer Kraft
Mecklenburg-VorpommernKeine geltende Meter-Vorgabe (frühere Werte von 100 m innerorts bzw. 250 m auf Autobahnen mit Wegfall des Erlasses entfallen)Erlass zur Geschwindigkeitsüberwachung vom 22.12.1995 i. d. F. vom 01.03.2003 laut Auskunft des Innenministeriums (2022) nicht mehr gültig; ein Nachfolgeerlass wurde nicht erlassen. Ältere Übersichten führen die früheren Werte teils noch fort
Niedersachsen150 mRichtlinien für die Überwachung des fließenden Verkehrs durch die Straßenverkehrsbehörden vom 25.11.1994 (Nds. MBl. 1994, S. 1555) i. d. F. vom 07.10.2010 (Nds. MBl. 2010, S. 1016); Leitlinien für die Verkehrssicherheitsarbeit der Niedersächsischen Polizei, RdErl. vom 03.05.2012
Nordrhein-WestfalenKeine konkrete Meter-Vorgabe (die Abstandsregelung des Vorgänger-Erlasses von 1996 wurde mit dem RdErl. vom 19.10.2009 aufgehoben)RdErl. des Innenministeriums NRW, 41-61.02.01-3, vom 19.10.2009 „Verkehrssicherheitsarbeit der Polizei“
Rheinland-Pfalz100 m; bei Geschwindigkeitstrichter ab 50 mRundschreiben des Ministeriums des Innern und für Sport vom 20.07.2022, Richtlinie über die polizeiliche Geschwindigkeitsüberwachung
SaarlandKeine konkrete Meter-Vorgabe; Messung nicht unmittelbar hinter der BeschränkungErlass über die Wahrnehmung der Verkehrsüberwachung durch Ortspolizeibehörden gem. § 80 Abs. 4 SPolG (gültig bis 02.01.2027)
Sachsen150 m (Soll-Vorschrift)VwV Verkehrsüberwachung vom 21.05.2014 (SächsABl. S. 759), Anlage 1 Nr. 1 Buchst. b, zuletzt enthalten in der Verwaltungsvorschrift vom 25.11.2025 (SächsABl. SDr. S. S 212)
Sachsen-Anhalt100 mGrundsätze für die Verkehrsüberwachung durch Polizei und Kommunen (Verkehrsüberwachungserlass), RdErl. des MI vom 06.03.2009, 23.3-12320 (MBl. LSA 2009, S. 208 ff.)
Schleswig-Holstein150 m; in Tempo-30-Zonen bis 20 mRichtlinie für die polizeiliche und kommunale Geschwindigkeitsüberwachung vom 15.03.2011, Az. IM/IV LPA 1310-82.62
Thüringen200 mRichtlinie des Thüringer Ministeriums für Inneres und Kommunales für die Überwachung des Straßenverkehrs vom 02.11.2020, Az. 42.4-2701-14/2019 (ThürStAnz S. 1457), im Thüringer Landesrecht-Portal in der Fassung vom 17.11.2025 ausgewiesen
Mindestabstand zwischen Verkehrszeichen und Geschwindigkeitsmessstelle nach Bundesland (Stand: 13. August 2026)
Hinweis zur Rechtslage: Die in der Tabelle aufgeführten Mindestabstände beruhen auf verwaltungsinternen Richtlinien und sind keine gesetzlichen Vorgaben. Eine Unterschreitung führt nicht automatisch zur Unverwertbarkeit der Messung. Sie kann jedoch ein konkreter Anhaltspunkt für eine Einzelfallprüfung sein und im Einzelfall zur Erhöhung der Verkehrsfehlergrenze, zur Einstellung des Verfahrens oder zum Absehen vom Fahrverbot führen. Maßgeblich ist stets die zum Tatzeitpunkt geltende Fassung der jeweiligen Verwaltungsvorschrift (siehe Transparenzhinweis am Seitenanfang). Im Rahmen unserer Gutachten prüfen wir die jeweils einschlägige Verwaltungsvorschrift, die Beschilderungsverkettung und die technische Plausibilität der Messung.

Quellen: Erlass des Hessischen Ministeriums des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz „Verkehrsüberwachung durch örtliche Ordnungsbehörden und Polizeibehörden“ vom 27.07.2025 (Volltext auf polizei.hessen.de) · VwV Verkehrsüberwachung (VwV VKÜ) vom 21.05.2014, Anlage 1, REVOSax Landesrecht Sachsen · VÜ-Richtlinie (VÜR) vom 12.05.2006, gesetze-bayern.de (BayVwV 454-I) · Abgeordnetenhaus von Berlin, Antwort auf die Schriftliche Anfrage Drs. 19/26651 (Juli 2026) · Heskamp, D.: *Richtlinien zur Verkehrsüberwachung*, Kanzlei Heskamp (Übersicht mit Primärquellen-Nachweis je Bundesland) · Weigel, A.: *Die Richtlinien der Bundesländer zur Geschwindigkeitsüberwachung*, DAR 2023, S. 105; dies., DAR 2020, S. 62 · Wirth, J.: *Die Richtlinien der Bundesländer zur Geschwindigkeitsüberwachung*, DAR 4/2017, S. 188 ff. · Burhoff/Grün: *Messungen im Straßenverkehr*, Arbeitshilfen zu den Länderrichtlinien (mit Ministeriumsauskünften, u. a. Mecklenburg-Vorpommern 2022). Ergänzt durch Direktrecherche der Verwaltungsvorschriften in den Landesrecht-Portalen der jeweiligen Länder (Stand: August 2026).

Welche Bundesländer haben ihre Regelungen zuletzt geändert?

Zwischen 2024 und 2026 haben mindestens vier Bundesländer ihre Vorschriften zur Geschwindigkeitsüberwachung neu gefasst oder fortgeschrieben: Hessen (2025), Sachsen (2025), Thüringen (2025) und Baden-Württemberg (2024). Die weitreichendste inhaltliche Änderung betrifft Hessen, das den bisherigen pauschalen Abstand von 100 Metern durch ein dynamisches Modell ersetzt hat.

Der hessische Erlass vom 27.07.2025 koppelt den Abstand des Messbereichs an die angeordnete Geschwindigkeit: Bei Tempo 30 genügen 30 Meter, bei Tempo 100 sind 100 Meter einzuhalten. Auf Autobahnen gelten 130 Meter, sofern dem anordnenden Zeichen nicht bereits eine Geschwindigkeitsbeschränkung vorausgeht. In verkehrsberuhigten Bereichen (Zeichen 325.1/325.2 StVO) entfällt der Abstand wegen des besonderen Schutzcharakters vollständig. Zu Zeichen, die eine Beschränkung aufheben oder die zulässige Höchstgeschwindigkeit heraufsetzen, ist kein Abstand einzuhalten. Wird der Abstand aus begründetem Anlass unterschritten, etwa an Unfallhäufungspunkten, ist der Grund im Messprotokoll zu vermerken. Für Verfahren mit Tatzeitpunkt vor Inkrafttreten des neuen Erlasses bleibt der Erlass vom 23.02.2015 mit dem damaligen 100-Meter-Abstand der Prüfungsmaßstab.

In Sachsen wurde die VwV Verkehrsüberwachung mit der Verwaltungsvorschrift vom 25.11.2025 erneut fortgeschrieben; der Soll-Abstand von 150 Metern aus Anlage 1 gilt unverändert weiter. Thüringen führt seine Richtlinie vom 02.11.2020, deren ursprüngliche Geltungsdauer am 31.12.2025 endete, im Landesrecht-Portal in der Fassung vom 17.11.2025 fort; der Abstand von 200 Metern bleibt bestehen. Baden-Württemberg hat seine VwV für die Verkehrssicherheitsarbeit der Polizei am 17.05.2024 neu gefasst, ohne zur früheren starren Abstandsvorgabe zurückzukehren, die bereits zum 01.07.2015 aufgehoben worden war. In Mecklenburg-Vorpommern besteht seit der Aufhebung des Erlasses von 1995 keine Vorgabe mehr; ein Nachfolgeerlass wurde nach Auskunft des Innenministeriums nicht erlassen, gleichwohl kursieren die früheren Werte von 100 und 250 Metern in vielen älteren Übersichten weiter.

Diese Entwicklung zeigt, wie schnell Übersichtstabellen veralten: Wer sich im Bußgeldverfahren auf eine Meter-Angabe stützen will, muss die konkrete Fassung zum Tatzeitpunkt kennen. Ein Verfahren mit Tatzeit im Juni 2025 in Hessen wird an anderen Vorgaben gemessen als eines mit Tatzeit im Oktober 2025.

Welche Ausnahmen vom Mindestabstand erlauben die Bundesländer?

Ausnahmen vom Mindestabstand sind in allen Bundesländern an Gefahrenstellen zulässig, insbesondere vor Schulen, Kindergärten, Pflegeheimen, Krankenhäusern und in Fußgängerzonen. Ebenso ist nach einem Geschwindigkeitstrichter eine Verkürzung möglich, weil die Geschwindigkeit dort schrittweise reduziert wurde.

  • Gefahrenstellen: In der Nähe von Schulen, Kindergärten, Pflegeheimen oder Fußgängerzonen können die Mindestabstände unterschritten werden, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Mehrere Richtlinien verlangen, den Grund der Unterschreitung im Messprotokoll zu dokumentieren.
  • Geschwindigkeitstrichter: Wo die zulässige Höchstgeschwindigkeit schrittweise reduziert wird (z. B. 100, 80, 60 km/h), sind verkürzte Abstände zulässig, da sich die Geschwindigkeit bereits angepasst hat. Bayern halbiert den Abstand auf 100 Meter, Rheinland-Pfalz lässt ab 50 Meter zu, Hessen verzichtet auf Autobahnen nach vorgelagerter Beschränkung ganz auf die 130 Meter.
  • Besonders schutzwürdige Zonen: Hessen nimmt verkehrsberuhigte Bereiche (Zeichen 325.1/325.2 StVO) seit 2025 vollständig vom Abstandserfordernis aus; Schleswig-Holstein reduziert den Abstand in Tempo-30-Zonen auf bis zu 20 Meter.
  • Verkehrssicherheits-Begründung: Lässt sich die Verkürzung des Abstands nachweislich aus Gründen der Verkehrssicherheit rechtfertigen, kann die Messstelle näher am Verkehrszeichen positioniert werden.

Welche Urteile gibt es zum Mindestabstand zwischen Blitzer und Schild?

Das OLG Stuttgart hat mit Beschluss vom 14.03.2012 (Az. 4 Ss 261/11) entschieden, dass der Mindestabstand nicht für Ortsausgangsschilder gilt. Nach der Rechtsprechung des BayObLG (NZV 2002, 576) kann eine Messung unter Verletzung des richtlinienmäßigen Mindestabstands die Indizwirkung des Regelfahrverbots entfallen lassen; das OLG Bamberg verlangt in diesem Fall eine Auseinandersetzung mit den sachlichen Gründen der Messstellenwahl (Beschluss vom 17.07.2012, Az. 3 Ss OWi 944/12).

Weitere obergerichtliche Entscheidungen behandeln Einzelfälle der Beschilderungsverkettung und der Sichtbarkeit von Vorschriftzeichen nach § 39 StVO. Eine pauschale Unverwertbarkeit allein wegen des Verstoßes gegen die Verwaltungsvorschrift besteht nicht; die Einzelfallprüfung bleibt zwingend.

Wie wirkt sich ein zu geringer Abstand auf die Verwertbarkeit aus?

Eine Unterschreitung des Mindestabstands macht die Messung nicht automatisch unverwertbar, kann aber im Einzelfall zu einer erhöhten Verkehrsfehlergrenze, zur Einstellung des Verfahrens oder zum Absehen vom Fahrverbot führen. Maßgeblich sind die örtlichen Verhältnisse, das eingesetzte Messgerät, eine eventuelle Beschilderungsverkettung und die nachweisbare Reaktionsstrecke des Fahrers.

  • Messung innerhalb des Anpassungsbereichs: Ist die Messstelle zu nah am Verkehrszeichen positioniert, konnten Fahrer die Geschwindigkeit ggf. nicht rechtzeitig anpassen. In solchen Fällen lassen sich die Messergebnisse rechtlich angreifen.
  • Einzelfallprüfung: Sachverständige prüfen im Rahmen von Bußgeldbescheiden, ob der Abstand zwischen Verkehrszeichen und Messstelle ausreichend war, siehe auch Was ist ein standardisiertes Messverfahren?
  • Bremsvorgänge des Fahrzeugs: Bei bestimmten Messgerätetypen lässt sich prüfen, ob sich das Fahrzeug zum Zeitpunkt der Messung bereits in einem Bremsvorgang befand, relevant bei der Auswertung der Messreihe im Bußgeldverfahren.

Welche Messgeräte können Bremsvorgänge erkennen?

LiDAR-basierte Messgeräte wie der PoliScan FM1 von Vitronic oder der TraffiStar S350 von Jenoptik Robot erfassen den Geschwindigkeitsverlauf über mehrere Messpunkte und können dadurch einen Bremsvorgang im Messbereich technisch nachvollziehbar machen. Diese Information ist im Falldatensatz auswertbar und bildet im Gutachten eine wichtige Grundlage zur Bewertung kurzer Abstände.

Wann lohnt sich ein Gutachten bei unterschrittenem Mindestabstand?

Ein Sachverständigengutachten ist sinnvoll, wenn ein Fahrverbot, mehr als ein Punkt in Flensburg oder ein Bußgeld ab etwa 200 Euro droht und konkrete Anhaltspunkte für eine Unterschreitung der Verwaltungsvorschrift vorliegen. Die Verkehrsmesstechnik Nord GbR prüft Messstelle, Beschilderungsverlauf und Falldatensatz auf Grundlage von PTB-Vorgaben, Eichunterlagen und Herstellerdokumentation. Wer wissen möchte, was im eigenen Fall droht, kann vorab das Bußgeld berechnen.

Mehr zum Leistungsumfang: Sachverständigengutachten (Blitzer-Gutachten) für amtliche Messungen. In der Regel wird unsere Arbeit durch die Rechtsschutzversicherung übernommen.

Wie viel Abstand muss ein Blitzer zum Geschwindigkeitsschild haben?
Der Abstand ist bundesweit nicht gesetzlich festgelegt, sondern in verwaltungsinternen Richtlinien der 16 Bundesländer geregelt. Die festen Vorgaben liegen überwiegend zwischen 75 und 200 Metern. Hessen bemisst den Abstand seit 2025 dynamisch nach der angeordneten Höchstgeschwindigkeit in Metern; fünf Länder verzichten ganz auf feste Werte.
In welchen Bundesländern gibt es keinen Mindestabstand für Blitzer?
In Baden-Württemberg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und im Saarland existieren keine konkreten Meter-Vorgaben. In Baden-Württemberg wurde die starre Vorgabe zum 01.07.2015 abgeschafft, in NRW mit dem Runderlass vom 19.10.2009, in Mecklenburg-Vorpommern mit dem Wegfall des Erlasses von 1995. Auch ohne feste Vorgabe muss die Messstelle im Einzelfall verkehrstechnisch gerechtfertigt sein.
Welcher Mindestabstand gilt in Hessen seit dem neuen Erlass 2025?
Der hessische Erlass vom 27.07.2025 koppelt den Abstand an die angeordnete Geschwindigkeit: Er entspricht dem Tempowert in Metern, also 30 Meter bei Tempo 30 und 100 Meter bei Tempo 100. Auf Autobahnen gelten 130 Meter, außer nach vorgelagerter Beschränkung. In verkehrsberuhigten Bereichen ist kein Abstand erforderlich. Der frühere pauschale Abstand von 100 Metern aus dem Erlass von 2015 gilt nur noch für Alt-Tatzeiten.
Ist die Messung ungültig, wenn der Mindestabstand unterschritten wurde?
Eine Unterschreitung des Mindestabstands macht die Messung nicht automatisch unverwertbar. Maßgeblich ist die Einzelfallprüfung. Bei substantiierten Anhaltspunkten kann das Verfahren eingestellt, das Bußgeld reduziert, die Verkehrsfehlergrenze erhöht oder vom Fahrverbot abgesehen werden. Ein Sachverständigengutachten bewertet Messstelle, Beschilderung und technische Plausibilität.
Gilt der Mindestabstand auch an Ortsausgangsschildern?
Nein. Das OLG Stuttgart hat mit Beschluss vom 14.03.2012 (Az. 4 Ss 261/11) entschieden, dass die Abstandsregelung nicht für Ortsausgangsschilder gilt, da diese keine Geschwindigkeitsbeschränkung anordnen, sondern eine bestehende aufheben. Mehrere Landesregelungen, etwa der hessische Erlass von 2025, stellen ausdrücklich klar, dass zu aufhebenden Zeichen kein Abstand einzuhalten ist.
Darf direkt hinter einem Schild geblitzt werden?
Direkt hinter einem Geschwindigkeitsschild zu blitzen ist in Bundesländern ohne starre Abstandsvorgabe rechtlich grundsätzlich möglich. An Gefahrenstellen wie Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern oder Fußgängerzonen ist eine Verkürzung des Abstands auch in den übrigen Bundesländern zulässig, sofern die Verkehrssicherheit es erfordert. Rechtlich gilt die angeordnete Geschwindigkeit ohnehin ab dem Zeichen.
Was ist ein Geschwindigkeitstrichter und wie wirkt er sich auf den Abstand aus?
Ein Geschwindigkeitstrichter beschreibt eine schrittweise Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit über mehrere aufeinanderfolgende Zeichen, beispielsweise von 100 km/h über 80 km/h auf 60 km/h. Weil die Geschwindigkeit dort bereits angepasst wurde, sind verkürzte Abstände zulässig: Bayern reduziert auf 100 Meter, Rheinland-Pfalz lässt ab 50 Meter zu, Hessen verzichtet auf Autobahnen nach vorgelagerter Beschränkung auf den 130-Meter-Abstand.
Warum sind die Mindestabstände nicht einfach öffentlich einsehbar?
Die Regelungen stehen in verwaltungsinternen Erlassen und Geschäftsanweisungen der Innenministerien und Polizeibehörden. Sie werden nicht an einer zentralen Stelle und teilweise gar nicht veröffentlicht; einzelne Inhalte werden nur über behördliche Auskünfte, Anfragen nach den Informationsfreiheitsgesetzen oder die Akteneinsicht bekannt. Änderungen erfolgen zum Teil ohne öffentliche Bekanntmachung. Angaben in Übersichten, auch in dieser, können deshalb im Einzelfall bereits überholt sein; maßgeblich ist die zum Tatzeitpunkt geltende Fassung.
Welche Verkehrsmessgeräte erkennen einen Bremsvorgang?
LiDAR-basierte Messgeräte wie der PoliScan FM1 von Vitronic oder der TraffiStar S350 von Jenoptik Robot erfassen den Geschwindigkeitsverlauf über mehrere Messpunkte. Aus dem Geschwindigkeits-Zeit-Verlauf im Falldatensatz lässt sich ein Bremsvorgang im Messbereich technisch nachvollziehbar machen, eine relevante Grundlage in der gutachterlichen Bewertung kurzer Abstände.
Wo finde ich die aktuelle Richtlinie meines Bundeslandes?
Einige Länder veröffentlichen ihre Vorschriften in Landesrecht-Portalen (etwa REVOSax für Sachsen, gesetze-bayern.de für Bayern) oder auf Behördenseiten wie polizei.hessen.de. In anderen Ländern ist die Regelung nicht öffentlich zugänglich. Die zum Tatzeitpunkt geltende Fassung kann über die Akteneinsicht durch den Verteidiger oder im Rahmen eines Gutachtens gezielt geprüft werden.

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